Eine Odyssee von Gefängnis zu Gefängnis
Die Nachricht vom fehlgeschlagenen Attentat auf Hitler trifft Therese Kaiser in Irlich am Rhein, wo sie bei der Familie ihres Bruders Zuflucht vor den Bombenangriffen auf Köln gefunden hat. Ihr Mann Jakob Kaiser, dessen Engagement in den christlichen Gewerkschaften und in der Widerstandsplanung vom 20. Juli sie mutig mitgetragen hat, ist aus beruflichen Gründen in Berlin. Am 4. August treffen sie sich noch einmal in Irlich – dann trennen sich ihre Wege.
Jakob Kaiser gelingt es mit Hilfe von Freunden, zusammen mit der jüngeren Tochter Maria in Berlin unterzutauchen. Therese und die ältere Tochter Elisabeth werden am nächsten Tag von der Gestapo festgenommen. Es folgen Monate der Gefangenschaft, drehbuchreif in ihren dramatischen Auf und Abs in Zeiten eines von außen bedrängten Terrorregimes, das sich kurz vor der Auflösung noch an Macht, Willkür und Gewalt klammert.
Mutter und Tochter kommen zunächst in das Gefängnis Neuwied, dann werden sie nach Koblenz verlegt. Als das Gefängnis dort Anfang November 1944 durch einen Fliegerangriff zerstört wird, gelingt beiden die Flucht nach Irlich. Es klingt wie eine glückliche Wendung, doch welche Angst, welche Nervenanspannung für die Gefangenen mit diesem hautnah miterlebten Bombeneinschlag verbunden gewesen sein muss, lässt sich nur schwer nachempfinden.
Die Atempause währt gerade drei Wochen, dann steht die Gestapo erneut vor der Tür, nimmt nicht nur Therese und Elisabeth mit, sondern auch Thereses Bruder und dessen Frau. Nach kurzer Haft in der Burg Altwied folgt die Verlegung nach Berlin Moabit und schließlich im März 1945 in das KZ Buchenwald.
Das letzte Kapitel dieser dramatischen Gefangenschaft führt sie mit einer ständig anwachsenden internationalen und bunt gemischten Gruppe an Sonder- und Sippenhäftlingen als Himmlers streng bewachte Geiseln über das KZ Dachau in die Alpen. Im Südtirol werden sie schließlich zunächst von der deutschen Wehrmacht aus den Händen der SS befreit und wenige Tage später ein zweites Mal von den Amerikanern.
Jakob Kaiser und Maria überleben in ihren Verstecken. Er wird Mitbegründer der CDU und überzeugter Streiter für ein ungeteiltes Deutschland. Therese stirbt 1952 an einem Herzleiden als Folge ihrer Haftzeit.