Rede

Empfang am 19. Juli 2026 um 16 Uhr im Roten Rathaus Berlin anlässlich des 82. Jahrestages des 20. Juli 1944
 - Prof. Dr. Robert von Steinau-Steinrück (Vorsitzender des Vorstands der Stiftung 20. Juli 1944) 


Sehr geehrter Herr Staatssekretär Graf,
liebe Angehörige,
liebe Jugendliche und Schülerinnen und Schüler unserer Partnerschulen,
der Leinetalschule, der Klosterschule Roßleben, des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums, der Max-Ulrich-von-Drechsel-Realschule und der Tisa-von-der-Schulenburg-Schule,
liebe Gäste,


der Empfang hier im Roten Rathaus ist seit Jahrzehnten der Auftakt zu den Veranstaltungen, mit denen wir an den Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 erinnern. Auch bei diesem 82. Jahrestag ist der Andrang und das Interesse der Angehörigen groß.


Und auch unsere bisherigen Veranstaltungen haben Sie erwähnt. 


Ja, der Umsturzversuch mag gescheitert sein, unsere Verantwortung aber bleibt, dass wir an die Lehren aus ihm für unsere Zeit und für die Zukunft erinnern und für sie eintreten. Das ist unser Anliegen und das kommt in all unseren Veranstaltungen auch zum Ausdruck.


An aktuellen Herausforderungen mangelt es ja nicht. Ich erinnere nur an die AfD-Wahlkampfveranstaltung in Sachsen-Anhalt bei der kürzlich ein Kabarettist mit Blick auf den Bundeskanzler sinngemäß nach Stauffenberg gerufen hat. Es ist gut und wir begrüßen es, dass es hier direkt eine klare Reaktion der Familie gegeben hat, die das auf das Schärfste zurückgewiesen hat. Im Herbst stehen Wahlen hier in Berlin, in Sachsen Anhalt und in Mecklenburg an. Links- und rechtsextreme oder jedenfalls populistische Parteien rechnen sich erhebliche Stimmenanteile aus. Mindestens von Teilen dieser Parteien werden die rechtsstaatlichen Grundlagen unseres demokratischen Staates offen in Frage gestellt und antisemitische und rassistische Parolen werden verbreitet.


Umso wichtiger, dass sich jeder seiner Verantwortung bewusst ist. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist Bildung. In dem Zusammenhang darf ich erwähnen, dass wir als Stiftung, damit wir möglichst viele auch jüngere Menschen erreichen, kurzentschlossen letzte Woche unseren Instagram-Account gestartet haben. Aber die Institution, die auf dem Feld der Bildung unendlich wichtige Arbeit leistet, ist die Gedenkstätte Deutscher Widerstand, mit der wir eng kooperieren. Ausdrücklich erwähnen und jedem empfehlen möchte ich die aktuelle Sonderausstellung unter dem Titel: “Dieser Feind steht rechts!“, die den Kampf gegen den Nationalsozialismus in der Weimarer Republik, also vor 1933 beleuchtet. Jeder Berliner kennt den Sozialdemokraten, der schon früh in seinen Reden vor den Gefahren eines Rechtsschwenks gewarnt hat. In einer Rede im Reichstag sagte er im Februar 1932: 


„Wir werden gegen den Faschismus kämpfen, auch wenn er einmal zur Macht gelangt sein sollte, aber es ist hundertmal leichter, ihn von der Macht fernzuhalten, als ihn aus der Macht zu verdrängen, wenn er sie einmal hat.“


Er sollte damit leider Recht behalten. Er emigrierte mit seiner Frau im März 1933 nach Frankreich, wurde von dort aber 1941 an Deutschland ausgeliefert und kam 1941 bei einem Luftangriff im Konzentrationslager Buchenwald ums Leben.


Wenn sich möglichst viele von uns, wenn wir uns als Zivilgesellschaft uns unserer Verantwortung bewusst bleiben, braucht uns nicht bange zu werden. Allen, die dafür mit die Voraussetzung schaffen, danke ich von Herzen.


An dieser Stelle möchte ich Ihnen, lieber Herr Staatssekretär sehr herzlich stellvertretend für das Land Berlin danken. Das Land Berlin hat seit Jahrzehnten auf vielfältige Weise die Aktivitäten der Stiftung 20. Juli und insgesamt das Erinnern und Gedenken an den deutschen Widerstand unterstützt, dieser Empfang ist ein Ausdruck davon und für diese fortlaufende Unterstützung sind wir Ihnen sehr dankbar.


Und dann möchte ich ganz besonders dem ganzen Team der Gedenkstätte Deutscher Widerstand danken und natürlich ganz besonders Ihnen, liebe Frau Spohr. An die langjährige, gute und intensive Zusammenarbeit mit Herrn Tuchel, der heute leider nicht hier sein kann, konnten wir mit Ihnen nahtlos anknüpfen und dafür sind wir Ihnen sehr dankbar und wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.